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Vom Roden des Urwalds bis zur Flächenstilllegung.
Einblicke in tausend Jahre Leben und Geschichte westfälischer Bauern am Beispiel des Hofes Schmiemann/Eggert in Münster-Mecklenbeck.

Alfons Eggert kann die Geschichte seines Hofes anhand von Dokumenten, archäologischen Funden und Überlieferungen in der Familie weit über tausend Jahre zurückverfolgen. Seit fast tausend Jahren befindet sich die Hofstelle an ihrem heutigen Standort, hunderte von Menschen haben von dieser Stelle aus das Land bearbeitet, von ihm gelebt, für es geblutet. Diese Bauern, die die längste Zeit ihrer Existenz dem münsterschen Domkapitel eigenhörig waren, spielen in Geschichtsbüchern kaum eine Rolle. Dabei waren sie es, die durch ihre Bearbeitung des Landes und ihre Abgaben die Mächtigen, die die Seiten der Geschichtsbücher füllen, unterhielten und sie waren es, die deren Taten ausbaden durften, wenn sie gebrandschatzt, ausgeplündert, zum Kriegsdienst gepresst wurden. Vom pionierhaften Niederlassen in den menschenleeren Urwäldern um Münster um 950 bis hin zum „Naherholungsgebiet“ am Stadtrand mit Wohnen im Grünen, Bauernhofcafé und Bioladen spannt sich die über tausendjährige Geschichte des Hofes Schmiemann/Eggert in Münster Mecklenbeck, die hier stellvertretend für und immer mit Blick auf die anderen Bauern in der Zeit erzählt wird.

Eggert, Alfons und Ruth Damwerth: Vom Roden des Urwalds bis zur Flächenstilllegung. Einblicke in tausend Jahre Leben und Geschichte westfälischer Bauern am Beispiel des Hofes Schmiemann/Eggert in Münster-Mecklenbeck.
ISBN: 978-3-937772-29-5, großformatiges Hardcover, 212 Seiten, vollfarbig gedruckt, 262 Abbildungen, 24,90 EUR


Faszinierend ist, wie die Bauern auf ihre Befreiung reagierten. Am 12.12.1808 wurde das Dekret verkündet und am 24.2.1809 veröffentlicht (in Münster im Münsterschen Intelligenzblatt) und damit rechtskräftig. Noch im selben Jahr weigerten sich etliche Mecklenbecker Bauern, geforderte Gelder zu entrichten! Im Staatsarchiv Münster findet sich in den Unterlagen des Domkapitels der „Bericht über die abgehaltenen Hofsprachen 1809“ und darin das „Verzeichnis derjenigen, welche pro 1809 die Entrichtungen auf den Hofsprachen geweigert haben“.
Im Kirchspiel Lamberti waren das die Bauern Meckmann, Benneman, Brüggeman, Rausman, Rotert, Schmieman und Werleman. Die Höhe der Forderungen betrug beim Schulzen Meckman 8 Reichsthaler,  bei allen anderen sechs Reichsthaler für Dienstgeld. „Haben die Weigerung selbst erklärt“, heißt es in dem Register und man spürt förmlich die Empörung des Schreibers. Sicherlich, es herrschte auf allen Seiten große Unsicherheit über die Auslegung des napoleonischen Dekrets, das in seiner Knappheit den vielfältigen komplexen Verhältnissen zwischen Grundherr und Eigenhörigem auf dem Lande nicht gerecht werden konnte. Eindeutig war, dass sämtliche Abgaben und Dienstleistungen, die an die persönliche Unfreiheit gebunden waren, ersatzlos wegfallen sollten. Abgaben, die sich aus der Nutzung des Landes ergaben, sollten abgelöst werden können. Nur: Was gehörte wozu? Waren die Frondienste, die später durch das Dienstgeld abgelöst wurden, Ausdruck der persönlichen Unfreiheit oder eine Form der Pachtzahlung? Innerhalb kürzester Zeit stapelten sich die Anfragen des Domkapitels an die Landesherren, in denen entweder nach der Auslegung einzelner Artikel im Allgemeinen oder auf einen konkreten Fall bezogen nachgefragt wurde. Und so erging es nicht nur dem Domkapitel, überall herrschte größte Unsicherheit.
Umso interessanter ist es, dass sich einige Bauern in diesem Klima der Ungewissheit trauten, einfach nicht zu zahlen. Gerade im Hinblick auf die eher geringe Summe kommt dieser Akt einer Demonstration gleich, es ging offensichtlich weniger um das Geld als die Haltung dahinter: Bis hierhin und nicht weiter. Nicht alle Mecklenbecker Bauern waren mutig oder aufgebracht genug, die Zahlung zu verweigern. Die Bauern Greive, Hesselmann und Schultman tauchen in der Liste der Rebellen nicht auf.