Lebensgeschichten

erinnert... erzählt... aufgeschrieben!

Lebensgeschichten, die im biografieVerlag erschienen sind – natürlich nur der Teil, den die Erzählenden zur Veröffentlichung freigegeben haben. Daneben gibt es eine größere Zahl von Lebensgeschichten, die nur für Familie und Freunde gedruckt wurden und nicht gezeigt werden.

Alle Bücher (soweit sie nicht als vergriffen gekennzeichnet sind) können Sie in jedem Buchgeschäft, bei einem online-Buchhändler oder per email direkt beim Verlag portofrei bestellen.

Was Sie neben den Büchern auch sehen: mittlerweile ganz schön viel Erfahrung…

Mein Herz an stillen Tagen

„Die Angst war da, ob wir es wollten oder nicht. Die Liebe hingegen nahm kaum Gestalt an. Ständig schien sie zu zersplittern und in die Vielzahl ihrer vermeintlichen Gegenteile umzuschlagen. Wie hätten wir von der Liebe sprechen können, wenn alles andere uns derart zum Schweigen brachte? Wenn selbst mein eigenes Atmen in den höchst angespannten Situationen zu einem ohrenbetäubenden Geräusch werden konnte? Denn das Atmen war ein Gradmesser für die Angst. Das kaum hörbare flache Atmen, das schnelle Atmen, das panische Atmen, rasendes Herz! - und das erleichterte Ausatmen, wenn es gut gegangen war “

Mit atemberaubenden Sätzen bringt die Autorin uns die tiefen Empfindungen eines Kindes nahe, das mit einem trinkenden und gewalttätigen Vater aufwächst. Sie schildert ihre Suche nach einem Weg aus der Sprachlosigkeit. Doch mit der Sprache kommen auch die Empfindungen zurück…

„Tausend Gründe hatte es gegeben für das Scheitern meiner Familie. Nur für ein Gelingen gab es keinen einzigen.“

Eva Klaffke-Römer: "Mein Herz an stillen Tagen". 1. Auflage ISBN: 978-3-937772-37-0 : TB 200 Seiten, 14,90 Euro

Das halbe Leben ganz.

Als wir neun Dresdnerinnen uns zur Erzähl- und Schreibgruppe fanden, stand neben vielen anderen verbindenden Elementen eine wesentliche biografische Gemeinsamkeit im Mittelpunkt: Unser Leben in der DDR. Von frühester Kindheit an bis ins mittlere Erwachsenenalter bildete dieses Land den Rahmen, in dem wir uns entwickelten, Prägungen erfuhren, Pläne verwirklichten oder aufgaben, Begrenzungen wahrnahmen und – jede auf ihre Weise – manchmal überwanden. Grob gerechnet ist es die Hälfte unserer bisherigen Lebenszeit, die sich untrennbar mit der Geschichte der DDR verknüpft - aber nicht darauf reduziert werden kann. Wie wir geworden sind, was unsere Kindheit prägte, wovon wir träumten, wem wir uns verbunden fühlten, was uns trug, antrieb und politisch bewegte – all diesen Fragen nachzuspüren, erwies sich als ebenso herausfordernder wie erkenntnisreicher Prozess, denn ungeachtet der gemeinsamen Sozialisationserfahrungen trat dabei ein Kontrastreichtum zutage, der uns manchmal selbst erstaunte. Von einer Gleichförmigkeit der Lebenswege, wie sie der DDR-Biografie oft unterstellt wird, kann keine Rede sein… 

Angelika Weirauch, Hansi-Christiane Merkel (Hg): „Das halbe Leben ganz".  1. Auflage ISBN: 3-937772-36-3; TB 352 Seiten, 18,90 Euro

Wo gehst du, Mariechen?

Im Alter von 105 Jahren blickt Marie Olschewski auf ihr Leben zurück. 1897 geboren, umspannt ihre Lebensgeschichte das gesamte 20. Jahrhundert, ein Jahrhundert, das sie mit zwei Kriegen, drei Fluchten und dem Verlust ihrer Heimat vor besondere Aufgaben gestellt hat. Genauso bewegend ist jedoch, wie die Bäuerin und neunfache Mutter den Alltag meistert. Marie Olschewski lässt in ihrer lebhaften, detailreichen Erzählung und mit ihrer zärtlichen Sprache eine untergegangene Welt wieder aufleben – Masuren.

Ruth Damwerth: „Wo gehst du, Mariechen?“ Die Geschichte der masurischen Bäuerin Marie Olschewski und ihres Landes. 2., mit Fotos ergänzte AusgabeISBN: 3-937772-32-5; TB 148 Seiten, 12,90 Euro

Nur in den Nächten zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige, in den „Heiligen Nächten, da durfte man nicht nähen und stricken, das war so Sitte. Wenn man in den Heiligen Nächten eine Nadel in die Hand nahm, würden die Tiere im nächsten Jahr mit zugenähten Ohren auf die Welt kommen, hieß es, taub.“

Und der Leser hat das Gefühl, als säße die alte Dame direkt gegenüber, als klappere sie mit ihren Stricknadeln zu einem „Damals, weißt du noch?“ Ruth Damwerth hat Marie Olschewskis Erinnerungen in würdiger Form bewahrt. Sie hat mit zärtlicher Sprache eine untergegangene Welt, Masuren, wieder aufleben lassen und versucht, den weichen Klang von Marie Olschewskis Stimme einzufangen. Den Klang einer Stimme, die dem Leben noch immer so zugewandt ist.

Marler Zeitung, 07.02.2004 über „Wo gehst du, Mariechen?“

Durch einen Zeitungsartikel war die Historikerin und Germanistin auf die Bäuerin aus Masuren aufmerksam geworden. „Ich habe Marie Olschewski im letzten Jahr etwa acht Mal in Marl besucht. Es war eine Freude, ihr zuzuhören.“ Aus den Tonbandaufnahmen, die während der Plauderstunden entstanden, „strickte“ die Münsteranerin ein bewegendes Stück Literatur.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 02.03.2004 über „Wo gehst du, Mariechen?“

Arnold Munter. Ein biografisches Geschichtsbuch

Es gibt Biografien, gegen die ist jedes Geschichtsbuch langweilig. Arnold Munters Lebensgeschichte gehört dazu. 1912 im Berlin der Kaiserzeit geboren, erlebt er nahezu alle Ereignisse die das „deutsche“ Jahrhundert geprägt haben, hautnah mit. Dabei ist er nie nur Beobachter. Jedes der politischen Systeme, die er in seinem Leben kennen lernt, versucht er mitzugestalten - oder zu bekämpfen. Dadurch erlebt er jede Epoche ganz bewusst. Sein ungewöhnliches Erinnerungsvermögen und seine lebendigen Schilderungen machen ihn neben seinem für die deutsche Geschichte geradezu exemplarischen Leben zu einem faszinierenden Zeitzeugen.

Ruth Damwerth: Arnold Munter. Ein biografisches Geschichtsbuch. ISBN: 978-3-937772-35-6; TB 268 Seiten, 18,90 Euro

Die erste Sprengung fand am 6. September statt und wurde im vorderen Teil durchgeführt. Da ich ziemlich dicht dabei sein wollte, habe ich mit dem Sprengmeister abgemacht, dass ich mich hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das dort noch stand, einem mächtigen Bronzeklotz, verstecken durfte, um so, aus der Deckung heraus, die Sprengung zu beobachten. Die Linden wurden weiträumig von der Volkspolizei gesperrt, denn es musste mit mächtigen Mengen Dynamit gearbeitet werden, die Grundmauern des Stadtschlosses waren bis zu fünf Metern dick. Die erste Sprengung erschütterte den Boden mächtig. Als die hochgeschleuderten Steinmassen und der Staub sich wieder etwas gelegt hatten, näherte ich mich der Sprengstelle. Auf einmal kam ein Auto angefahren, sowjetische Offizieren, alarmiert von der Explosion, sprangen heraus, kamen auf mich zu und protestierten: Warum sprengst du Schloss? Wir haben Kreml auch nicht gesprengt nach Revolution.` “

Damwerth setzt Munter mit ihrem Buch ein Denkmal. Wohl mit Recht – auch wenn man seine Ansichten nicht immer teilt und nicht jeden seiner Schritte nachvollziehen kann. Denn es sind letztlich Einzelschicksale, wie das Arnold Munters, die Geschichte greifbar und vor allem emotional nachvollziehbar machen.

Der Nordberliner vom 17.11.1994 über „Arnold Munter. Jahrhundertzeuge“

Ruth Damwerth, die Autorin, verarbeitet Munters Erzählungen sehr zurückhaltend. Und das ist ihr Verdienst. So läßt sie den Jahrhundertzeugen auf weiten Strecken frei und über ganze Seiten hinweg erzählen. In sehr persönliche Erinnerungen Munter fließen historische Fakten, der große „Hintergrund“, sozusagen. Auf diese Weise wächst das Werk über die bloße subjektive Sicht seines Protagonisten hinaus, es wird zu einer Betrachtung des 20. Jahrhunderts.

Pankower Anzeiger vom 25.11.1994 über „Arnold Munter. Jahrhunderzeuge“

Der 26jährigen Ruth Damwerth aus Münster ist gelungen, was nur einer unvoreingenommenen und von den Entwicklungen in beiden deutschen Staaten unbelasteten Autorin gelingen konnte. Mit wachem Interesse und verständnisvollem Spürsinn hat sie den Lebensweg Arnold Munters aufgezeichnet, hat ihn dabei zum großen Teil selbst zu Wort kommen lassen und in klugen Betrachtungen ein deutsches Geschichtsbuch geschrieben, das auch spannend zu lesen ist.

Neues Deutschland vom 22.02.1995 über „Arnold Munter. Jahrhundertzeuge“

Höhen und Tiefen, wie sie spannender und exemplarischer für das zerrissene Deutschland in diesem Jahrhundert kaum sein könnten - Damwerth verstand es, mehr als nur die Lebens-Chronologie eines Einzelnen daraus zu machen.

Westfälische Nachrichten vom 07.03.1995 über „Arnold Munter. Jahrhundertzeuge“

Der Heringsbändiger

Wer 1927 geboren wurde, war dem Verderben besonders nahe: Dies war der erste Jahrgang, der dem vollen Einfluss der nationalsozialistischen Erziehung in Schule und Jungvolk ausgesetzt war, und der letzte Jahrgang, der regulär in die Kasernen einberufen und als des Führers jüngste Rekruten an der Front verheizt wurde.
Martin Schwabe ist einer aus diesem Jahrgang. Gerade weil er als sogenannter „Vierteljude“ auch die Schattenseiten des Naziregimes zu spüren bekommen hatte, meldete er sich kriegsfreiwillig, er wollte „dazugehören“. Mit sechzehn wurde er Soldat, mit einundzwanzig kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück in die DDR, wo er, der sich nach den bitteren Erfahrungen von Krieg und Gefangenschaft geschworen hatte, nie wieder mit den Wölfen zu heulen, seines Lebens auf Dauer auch nicht froh wurde ...

Ruth Damwerth: Der Heringsbändiger. Martin Schwabes Geschichte des 20. Jahrhunderts.ISBN: 3-937772-05-7; TB 220 Seiten, 15,90 Euro

Mutter arbeitete, während ich noch sehr klein war, zeitweise als Werberin bei Persil. Ich war, während sie arbeitete, in Pflege bei der Lehrersfrau Motsche in der Lindenstraße. Frau Motsche zog mir das erste Mal eine Art Uniform an, ein Braunhemd mit Schlips. Ich kann mich nicht mehr selber dran erinnern, aber mir ist oft erzählt worden, wie niedlich das aussah, wenn ich als drei- oder vierjähriger Knirps die marschierenden SA-Männer vor mir versuchte nachzuäffen…“

Seine Vergangenheit ist rund 1, 5 Zentimeter dick. Er hält sie in der Hand. „Der Heringsbändiger“ steht drauf. Ein Leben, schwarz auf weiß. Druckfrische 215 Seiten. Martin Schwabe hat viel erlebt in den vergangenen 78 Jahren. Weimarer Republik, Nazionalsozialismus, Kalter Krieg, Wiedervereinigung. „Meine Nachbarn sagten, ich solle alles aufschreiben“, schmunzelt Martin Schwabe. Mit Ruth Damwerth findet er eine Autorin, die es versteht, das Gesprochene ins Geschriebene umzusetzen. Und Schwabe erzählt viel. Hat viel zu erzählen. „40 Stunden Tonbandaufnahmen waren es bestimmt“, erinnert sich die münstersche Autorin.

Grevener Zeitung vom 03.09.2005 über „Der Heringsbändiger“